VAGUE.



Donald Goerke, a Campbell Soup Company executive whose nonlinear approach to pasta resulted in SpaghettiOs, died Sunday at his home in Delran, N.J. He was 83.
NYT > Donald Goerke, Creator of SpaghettiOs, Dies at 83



Link | 14. Januar 2010 | Weg
  


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Lesen, Schreiben [1]

1 Walt Whitmans Leaves of Grass mit Stanza auf das Iphone geholt. Man kann es lesen. Aber nicht sehr lange. Dann nervt es. Nicht die Leaves of Grass, auch nicht das Iphone. Aber die Deppen, die einen glauben lassen wollen, man könne E-Bücher ja auch mal auf einem Mobiltelefonschirm lesen. Vielleicht haben sie an Pixie-Bücher gedacht. Oder an die executive summary von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ein Mann kann nicht einschlafen. Na siehste, geht doch.

2 Walt Whitmans Grasblätter gelesen, die von Jürgen Brȏcan besorgte erste vollständige deutsche Übersetzung der deathbed edition. Der Hanser Verlag hat sie herausgebracht, 861 Seiten Dünndruckpapier, das Inhaltsverzeichnis nicht mitgerechnet. Mit Lesebändchen, Anmerkungen, Varianten, Nachweisen, Erläuterungen und Auskünften zur Übersetzung. Kann man gut lesen. Ist gut gesetzt. Was nicht mehr bedeutet als: Der Satz fällt einem nicht auf.

3 Im vergangenen Jahr immer wieder den Versuch unternommen, E-Bücher zu lesen. Auf dem Iphone, auf dem Laptop, auf einem E-Book-Lesegerät, das ich mir ausgeliehen habe. Na ja.

4 Ganz sicher wird man irgendwann einmal E-Texte typografisch besser behandeln als jetzt. Das glaube ich den E-Bücher-Leuten sogar. Vielleicht versuche ich es dann ja wieder. Jetzt habe ich keine Lust mehr, mir Geräte und Waren schöner zu reden, als sie sind, indem ich ihnen Potential konzediere. Das hat mich an den Digital-Hanseln immer schon genervt: Ständig behecheln sie einen mit ihren Überzeugungen, was in den Dingen stecken könnte, irgendwann einmal, irgendwann werden sie es schon schaffen, sobald sie alle unsere Bug Reports ausgewertet haben. Was soll eigentlich so schwer daran sein, Text gut zu setzen? Das haben die Hinterwäldler von der Papierfront schon vor 200 Jahren geschafft.

5 Für wen sollen E-Buch-Lesegeräte eigentlich gut sein? Am ehesten wohl für Leute wie mich. Die 200 Bücher im Jahr lesen oder noch mehr. Eine ziemlich kleine Minderheit, die meisten Leute lesen ja, wenn es hochkommt, zehn oder zwanzig Bücher im Jahr. Dafür braucht man sich kein Lesegerät anzuschaffen. Und falls doch, nur ein einziges Mal im Leben. Man bekäme alles drauf, was man sich so im Leben zusammenliest, und könnte sich zusammen mit seiner Kindle-Bibliothek voller Nick Hornbys begraben lassen. Aber kann es im Sinne der Hersteller sein, dass ein Normalkonsument mit einem einzigen ihrer Kästen ein Leben lang bestens bedient wäre und sich also nie wieder ein neues, verbessertes Teil kaufen muss? Wahrscheinlich werden sie Sollbruchstellen einbauen. Oder noch öfter erzählen, dass man auf einem E-Buch-Lesegerät ständig seine ganzen Bücher rumschleppen kann, bis die Leute an einem Badenachmittag vergessen, dass Kindles sich mit Sand nicht so dolle vertragen. Dann werden sie die Version 5 schon kaufen.

6 Das ist es, womit man Menschen wie mir, die viele Bücher lesen und so viele Bücher besitzen, dass sie jeden Umzug verfluchen, immer wieder mal die E-Reader andrehen will: Wir könnten, sagt man uns, ganze Bibliotheken in ihnen unterbringen und hinterher in die Jackentasche stecken. Na toll. Soll ich jetzt alle meine Bücher noch einmal kaufen? Oder einscannen und auf den E-Reader laden? Oder sie mir aus einer Filesharing-Site saugen? Vielleicht stehe ich einfach auf, gehe zum Bücherregal, ziehe das Buch raus und beginne in ihm zu lesen. Aber vielleicht raffe ich es mal wieder nicht.

7 Oder man könnte mit 20 Büchern in den Urlaub fahren. Oder ständig seine Handbibliothek dabei haben. Oder immer genau das zum Lesen finden, wonach einem gerade der Sinn steht. Ja, klar. Das sind exakt die Bedürfnisse, die Leute haben. Habt ihr toll erkannt.

8 Leseproben lesen. Erste Kapitel lesen. Reinblättern ins Buch. Die Pröbchenisierung des Lesens, ich pack Ihnen da noch was ein für ihre fettige Haut.

9 Das muss mir jetzt keiner in die Kommentare schreiben, das habe ich selbst schon hundertzwölftausend Mal gelesen: Es wird E-Bücher geben, in denen man dann Videos gucken kann. Oder der Autor einem die Hörbuchversion vorliest. Oder als Bonus ein Making-Of mitgeliefert wird. Und und und. Multimedialer Content, noch und nöcher. Echt super. Vielleicht solltet ihr gleich aus allem ein Playstation-Spiel machen. Oder etwas mit 3 D. Dann muss man auch die Brille dazukaufen.

10 Warum einem so viele (schreibende) Journalisten immer wieder erzählen, dass Multimedialität so klasse ist, habe ich nie verstanden. Und warum kommt eigentlich nie im Kino jemand auf die Idee, nach zwanzig Minuten ein paar Seiten Text auszuteilen, die man sich reinziehen muss, ehe der Film weitergeht? Oder im Berghain jemand auf den Einfall, den Flow mit ein paar Internetseiten anzureichern? Das wäre doch auch multimedial. Aber es fällt ihnen immer nur bei Text ein, dass man mit Multimedialität weiterkäme als ohne.

11 Außerdem nervt es, dass die Geräte, auf denen man E-Books lesen kann, immer diesen blöden Geräte-Rand haben. Ich mag doch kein Gerät ansehen müssen, wenn ich etwas lesen will.

12 Außerdem nervt es, dass die Texte immer hinter Glas liegen.

13 Außerdem nervt es, dass ich in E-Texten keine Anmerkungen machen kann. Oder unterstreichen. Jaja, es gibt Simulationen. Aber die taugen nichts. In fünfzehn Jahren werden sie sicher so weit sein. Dann gucke ich mir das noch einmal an, versprochen.

14 Lauter total verstockte Hinterwäldlereinwände, ich weiß das schon.

15 Am Verrücktesten, denke ich manchmal, sind die E-Buch-Freunde, die immer so supercheckermäßig lächeln, sobald jemand "Haptik" sagt. Wie peinlich, dass jemand eine Immaterialität anfassen will! Ich denke mir dann immer, sollen sie doch mit einem Turingtest vögeln.

16 Der Unterschied zwischen dem Iphone-Walt-Whitman und dem Hanser-Walt-Whitman: 39,90 Euro. Eigentlich verrückt, wieviel man heutzutage noch für 39,90 Euro bekommen kann. 861 Seiten Whitman, makellose Übersetzung, hervorragende Editionsarbeit, freundlicher Kommentar, gute Typographie, guter Druck, gute Buchbindearbeit, eine perfekte Benutzeroberfläche. Wie lange Brȏcan daran gesessen haben muss! Wie mutig das ist von Michael Krüger! Wie lange man etwas von diesen 39,90 Euro haben kann! Wie viel länger als von einem Kindle man etwas von diesen 39,90 hat! Das gibt man für einmal zu zweit schnell essen aus, in einem der billigeren Thailäden hier ums Eck. Und dennoch wird das Papierbuch verrecken. Weil es irgendwann verrecken muss. Weil die Papierbuchläden verrecken werden. Und die Papierbuchleser verrecken werden. Und die Kindles und Tablets nichts mehr kosten werden, wenn man sie zusammen mit einem Zweijahresabo SpiegelBildBrigitteohneModels kauft. Weil man sich aus dem Netz die alten Übersetzungen der Leaves of Grass ziehen kann, für lau, oder ein paar Lesepröbchen. Weil die Grasblätter nicht multimedial sind, obwohl in ihnen mehr passiert als auf ganz YouTube, aber so ein Multimedial-Anhänger will sich ja nichts vorstellen müssen, Interpassivität, wenn das eine Multimedialmaschine für ihn tun kann.

17 Neulich habe ich in einem Artikel der NZZ eine fürchterliche Diatribe gegen die Handschrift gelesen. Braucht keiner mehr, hieß es darin, ist bloß Qual, das zu erlernen, lästige Feinmotorikdressur. Und außerdem ist eine Handschrift nicht natürlich, so wie das Sehen und Hören. Superargument übrigens: Weil etwas nicht natürlich ist, kann man es auch lassen. Ich dachte sofort: du blöde Nuss. In Zukunft fressen die Spione Iphones, wenn sie bei der Gefangennahme Informationen verschwinden lassen wollen. Und die Schüler werfen bei der Klassenarbeit einander die Ipod-Touchs zum Spicken zu. Und in den Tatoo-Studios hält man den Steiß unter den Nadeldrucker. Und die Gefangenen setzen ihre Kassiber ins Internet ab. Und die Liebhaber klappen das Rückenkeyboard ihrer Geliebten auf, wenn sie ihr auf den Rücken schreiben wollen, wie verdammt heiß sie sie finden. Aber dann schrieb die Lady am Ende ihres Artikels, dass die wünschenswerte Abschaffung der Handschrift noch auf sich warten lassen werde, die sumerische Schrift hätte die Sumerer auch noch ziemlich lange überlebt. Puh, noch einmal davongekommen.

18 Natürlich geht es um den Preis bei dem ganzen E-Bücher-Gewese. Ein E-Buch muss nicht gedruckt, verschickt, in Lagern deponiert, durch die Gegend kutschiert werden. Das macht die Herstellung billiger. Für den Hersteller und für den Käufer. Nicht, dass der Hersteller beim E-Buch-Verkaufen seine Herstellungsersparnisse an den E-Buch-Käufer ungeschmälert weitergeben wird, ach nö, wirklich nicht. Ein bißchen Geld muss er für Amazon abdrücken. 50 Prozent des Ladenpreises, habe ich gelesen. Die Gerüchte sagen, dass es im Apple I-Buch-Laden, wenn das Tablet dann da ist, 30 Prozent des Ladenpreises sein werden, die der E-Buch-Verlag an Apple zu entrichten hat. Das muss man sich einmal vorstellen: 30 Prozent dafür, dass ein E-Buch-Laden ein paar MB Speicherplatz und einen Platz im Listing gibt und die Abrechnung übernimmt. Aber für den Leser ist es immer noch billiger. Außerdem wird er sich das Tablet ja holen, weil es ein Supergerät ist, und wenn man ein Supergerät hat, will man damit etwas anfangen können, deswegen wird er E-Books kaufen. Jede Menge. Fünfmal so viel wie vorher. Fünfzigmal so viel wie vorher. Und die hat er dann immer dabei. Was für ein irrer Distinktionsgewinn das ist!

19 "Some people will always want printed books, just as some people enjoy candles today. But we will eventually think of these as souvenirs."

20 Die Buchhändler werde ich vermissen. Ich vermisse sie ja jetzt schon.

21 Walt Whitmans Grasblätter gelesen, die von Jürgen Brȏcan besorgte erste vollständige deutsche Übersetzung der deathbed edition. Der Hanser Verlag hat sie herausgebracht, 861 Seiten Dünndruckpapier, das Inhaltsverzeichnis nicht mitgerechnet. Mit Lesebändchen, Anmerkungen, Varianten, Nachweisen, Erläuterungen und Auskünften zur Übersetzung. Kann man gut lesen.



Link | 13. Januar 2010 | Druck
  


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Mit Sprache unterwegs. Literarische Reportagen nach Joseph Roth.

Zehn österreichische Autorinnen und Autoren sind im Rahmen des aktuellen Projekts mitSprache unterwegs beauftragt, sich schreibend und reisend mit der literarischen Gattung der Reportage auseinanderzusetzen. Als ideeller Bezugspunkt dieses Projekts dient Joseph Roth mit seinen wechselnden Schreiborten (z. B. Galizien, Berlin, Wien, Paris) und Themen (z.B. Migration, Leben in Vorstädten, Minderheiten, technischer Fortschritt und Industrialisierung).


Link | 12. Januar 2010 | Empfehlungen
  


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Frauen in den mittleren Jahren, Wirtschaftskrise, Botox, Feminismus, Steuerpolitik.

Ein paar Wochen lang wird über die Bo-Tax nachgedacht, eine fünfprozentige Steuer auf bloß kosmetische, medizinisch nicht erforderliche Leistungen plastischer Chirurgen: Facelifts, größere Brüste, Fettabsaugungen, Botox-Injektionen. Die Mehreinnahmen - 5,8 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren - sollen zur Finanzierung der Gesundheitsreform beitragen.

„Die meisten Menschen glauben, das sich eine solche Steuer gegen reiche republikanische Hausfrauen richtet“, sagt der Präsident der Amerikanischen Vereinigung der plastischen Chirurgen, „aber das stimmt nicht“. Ein Chirurg aus Santa Monica: Das sei eine feige Steuer. Durch sie würden Menschen belastet, die von niemandem vertreten werden und von denen man wisse, dass sie nicht zugeben wollen, etwas gemacht haben zu lassen. Die erwartbaren Einwände einer Gruppe, die Einkommensverluste befürchtet. Der nicht erwartete Einwand gegen die Bo-Tax kommt von Terry O'Neill, der Vorsitzenden von NOW, der „National Organization for Women": Es handle sich um Frauen-Diskriminierung, gerade jetzt in der Krise. Frauen, die ihren Job verloren haben, trügen sich möglicherweise mit dem Gedanken, sich hübscher machen zu lassen, weil sie daran interessiert seien, mögliche Arbeitgeber zu beeindrucken. Sie brauchen Jobs, nicht wahr? Und in einer Gesellschaft, die Frauen bestraft, wenn sie altern, werden sie sich Botox holen. Oder ihre Lider straffen lassen.

Sollte das Recht auf fairen Zugang zu plastischer Chirurgie zu den Forderungen eines zeitgenössischen Femismus gehören? Aber ja, sagt O'Neill. Wir leben in schlimmen Zeiten, und Frauen in einem bestimmten Alter sind am schlimmsten dran. Sie haben auf Einkommen und Karrierechancen verzichtet, um Kinder groß zu ziehen; sie pflegen ihre alten und kranken Eltern, statt voll ranzuklotzen; und sobald es ans Kündigen geht, haben die Leute mit einem hübscheren, also jüngeren Aussehen die größeren Chancen, ihren Job zu behalten. Ach ja: Die gegenwärtige Rezession hat bisher vor allem Männerjobs gekostet; umso wichtiger also, dass die Frauen mittleren Alters, die noch Jobs haben, diese behalten: Sie ernähren die Familien. Also: Sollen wir uns darum kümmern, die Oberflächlichkeit der Gesellschaft zu kritisieren? Oder sollen wir uns darum kümmern, dass Frauen nicht rausgeschmissen werden? In einer Wirtschaft, die so ist wie die unsere, können ein jüngeres Gesicht und ein strafferer Körper so entscheidend sein wie ein guter Lebenslauf.

Alexandra Suich, sie war einmal bei der NOW's Young Feminist Task Force, sie hat ihr Yale-Studium 2008 abgeschlossen, sie ist also deutlich jünger als O'Neill, die 57 ist, kann dem Kampf einer feministischen Organisation gegen die Besteuerung der Schönheitschirurgie nichts abgewinnen: "Sobald sich Frauen in einer Debatte über plastische Chirurgie verfangen, bringen sie sich um Gelegenheit, für die wahren (nicht die kosmetischen) Rechte von Frauen zu kämpfen. Und sie schicken an die jungen Frauen eine falsche Botschaft darüber, was die Substanz und das Wertesystem des Feminismus sind. Dem Feminismus geht es darum, eine diskriminierende Gesellschaft zu bekämpfen – nicht darum, die Diskriminierung zu akzeptieren und es den Frauen bloß erschwinglicher zu machen, vor ihr zu kapitulieren. Jungen Frauen sollte vermittelt werden, dass man sie für ihre Arbeit und ihre Fähigkeiten schätzen kann, nicht für Brüste und glatte Haut. Wenn die Veteraninnen des Feminismus ihre Prinzipien aufgeben, wie können sie dann von jungen Frauen erwarten, dass sie sich ihrer Sache anschließen?"

Laurie Lessig, der bei True/Slant ein Weblog namens "Class Warfare" hat und an einem Buch schreibt, das im Frühjahr 2010 erscheint und als "eine Kritik des Neoliberalismus am Beispiel der plastischen Chirurgie" angekündigt wird: Die Bo-Tax sei, wieder einmal, eine Steuer, unter der jene leiden müssten, die von der Politik ohnehin nicht vertreten würden - die arbeitenden Klassen und die Frauen. Plastische Chirurgie sei eben nichts mehr, was sich nur die Wohlhabenden kaufen würden, sondern ein Massenmarkt. Frauen, die sich operieren lassen, sind nicht dumm, sondern vernünftige ökonomische Akteure, die verstanden haben, dass besseres Aussehen zu größerem Erfolg auf dem Arbeits- und auf dem Liebesmarkt führt. Und: Was heißt schon "nicht notwendig"? Wenn ein Facelift dafür führt, dass der Ehemann seine finanziellen Beiträge nicht einstellt, ist er dann etwa nicht notwendig? Im übrigen sei für den Boom der plastischen Chirurgie auch das Kreditwesen mitverantwortlich - all die problemlos vergebenen Kredite für Boob-Jobs, an denen die Banken verdient haben. Man könnte sich lustig machen darüber, dass jemand dafür Schulden macht, sagt Lessig, aber, hey, was das Schuldenmachen und das Leben auf Kredit betrifft, gibt es nicht viele, denen man Durchblick attestieren kann, nicht wahr? Für Hollywood-Schauspielerinnen ist es keine großes Sache, ein paar Tausend Dollar für ein Aussehen auszugeben, das sie im Geschäft hält. Für alle anderen Frauen schon.

Ende Dezember wurde die Bo-Tax fallen gelassen. Und durch eine zehnprozentige Steuer für Sonnenstudios ersetzt. Sie soll dem Staat 2,7 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren bringen. Gegen die Sonnenstudiosteuer protestierten, aus leicht verständlichen Gründen, Politiker aus Alaska. Und eine kalifornische Sonnenstudiobesitzervereinigung, die auf den Umstand verwies, dass die meisten Sonnenstudios von Frauen betrieben werden.

[1] NYT: A Tax on Nips and Tucks Angers Patients, Surgeons

[2] NYT: Bo-Tax Backlash

[3] The Nation: Feminism's face-lift"

[4] True/Slant: Why cosmetic surgery shouldn’t be taxed

[5] NYT: A Tax Beyond the Pale?

[6] NYT: You’re Going to Pay for That Tan



Link | 12. Januar 2010 | Moderne Zeiten
  


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[Jetzt erst, fünf Monate später, fällt mir auf, dass nur Beichte eine Türklinke hat, Aussprache aber nicht; damals kurz das Bedürfnis, einzutreten und alles zuzugeben, auf eine Weise, die dem Priester hochmütig hätte vorkommen müssen, wären Priester nicht mittlerweile auch nur Menschen, die einem alles nachsehen und alles irgendwie verstehen können, "hab den Roman nie geschrieben", "hab mich nie getraut, nach Paris auszuwandern", "hab nicht genügend nachgedacht über das unglückliche Bewusstsein", "hab beim Tanzen nie verstanden, wo die Arme hinsollen", "hab meine Talente verraten, wieder und wieder", "hab mich nicht genügend gekümmert", all so was, die wirklichen Sünden, von denen die Priester selten etwas erfahren, schon gar nicht mehr im 21. Jahrhundert; aber dann doch nicht gemacht; es wäre ohnehin keiner da gewesen, auch die Beichtstühle haben ihre Öffnungszeiten, sicher, man hätte jemanden herausläuten können, aber das tut keiner; die Vorstellung jetzt: dass da jemand sitzen könnte, Tag und Nacht und Tag, in Erwartung des einen, der vielleicht doch kommen könnte, die Beichte abzulegen, jetzt gleich]



Link | 11. Januar 2010 | Geister
  


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Du sorgst dafür, dass es deinem Klienten gut geht. Limoservice, Hotelzimmer, Mädchen am Tisch, du hältst Kontakt, fragst, wie's geht, rufst die Jennys und Marys in deinem Buch an, sie sollen doch vorbeikommen am Abend, da wären ein paar Jungs, die sich unterhalten wollten, Gastfreundschaft eben, so in der Art, Freundschaft möglicherweise, jener allgegenwärtige Begriff der Nuller, der alles mögliche bedeuten kann, manchmal nehmen sie dich in den Urlaub mit, Europa, Bahamas, Vegas, weil du so viel mit ihnen abhängst, bist du einer von ihnen, Augenhöhe. Du kriegst 500 die Nacht und 10 Prozent von den Tischen, die du voll gemacht hast, oder 3000 die Woche, oder zwischen 800 und 1500 pro Nacht. Du versuchst, deinen Eltern zu erklären, was du machst, aber sie raffen es nicht, es gibt so viele Jobbezeichnungen jetzt, dass sogar du selbst manchmal den Überblick verlierst. In dem Augenblick, in dem du dich zu sehr auf ihn einlässt, hast du deinen Kunden verloren. Aber irgendwann, wenn du zu alt bist, hast du selbst deinen Club.

Irina Alexander erklärt das Nachtleben: New York Observer > The Not-Quite Madams, ein schönes Stück über Vergnügen und Simulation und Ökonomie.



Link | 11. Januar 2010 | Sensorium
  


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Leistung muss sich wieder lohnen.

Content farming. Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus. Gut programmierte Maschinen stellen fest, was der Mensch da draußen in der Offline-Welt wirklich lesen will. Texte darüber, was man bei Grippe macht. Oder wie man verhindert, dass jemand in einen Swimmingpool fällt. Oder was Twitter ist. So in der Art, nichts Aufregendes, die Menschen wollen ja meistens nichts Aufregendes lesen, nichts gut Geschriebenes, bloß halbwegs Verständliches, die meisten jedenfalls. Es gibt genügend Leute, die solche Texte schreiben können, es gibt genügend, die sie schreiben, für 15, 20, 30 Dollar. Oder Videos drehen. Oder Euro, völlig egal. Vielleicht auch über die SPD. Oder Nahost, Datenschutz, auch egal, alles egal. Da werden wir uns wieder treffen, die Printjournalisten und die ihnen jetzt vorwerfen, dass sie alles falsch machen, die ganzen Leute, die jetzt noch ihre Distinktionsscharmützel austragen. Ich auch, mag schon sein, wer weiß das schon. Na gut, man könnte Prezi-Präsentationen vorführen stattdessen, darüber, wie toll das alles ist, mit den Algorithmen und den Maschinen, die die Bedürfnisse erraten und der On-Demand-Produktion und dem Crowdsourcen und dem Ende der Hochmut & des Autorengeschwurbels, damit würde man eine Weile gut beschäftigt sein und gutes Geld verdienen können, aber irgendwann werden sich auch die Prezi-Präsentationen wie von selbst fabrizieren, in irgendeiner anderen content farm, und dann wüssten wir schon wieder nicht, was wir tun sollen.



Link | 10. Januar 2010 | Druck
  


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Terre Thaemlitz: Ball'r (Madonna-Free Zone), Ausschnitt [mp3]

When Madonna came out with her hit "Vogue" you knew it was over. She had taken a very specifically queer, transgendered, Latino and African-American phenomenon and totally erased that context with her lyrics, "It makes no difference if you're black or white, if you're a boy or a girl." Madonna was taking in tons of money, while the Queen who actually taught her how to vogue sat before me in the club, strung out, depressed and broke. So if anybody requested "Vogue" or any other Madonna track, I told them, "No, this is a Madonna-free zone! And as long as I'm DJ-ing, you will not be allowed to vogue to the decontextualized, reified, corporatized, liberalized, neutralized, asexualized, re-genderized pop reflection of this dance floor's reality!" [Quelle]


Link | 10. Januar 2010 | Kurbad
  


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Wenn der Tag anbricht, kommt François (Louis Garrel) starr vor Kälte vom Dach herunter, auf das er vor den Gesetzeshütern in ihren langen schwarzen Mänteln entkommen war, die Burschen gehen wie Müßiggänger die Straße hinunter, die Gewerkschaften setzen sich an den Verhandlungstisch, die Regierung läßt Benzin in die Zapfsäulen rinnen, Mama läßt ein Bad ein. Für jene aber, die jene Nacht durchlebt haben, wird sich alles verändert haben.
Jean-Michel Frodon: Schock und Erleuchtung [pdf]

[Sammlung tanzender Menschen in Filmen. Diese Mikropolitiken, die man den Körpern sofort ablesen kann, ohne dass man genau wüsste, wie. Pia Herzegger in Slumming. Die beiden Freundinnen in Last Days of Disco.]



Link | 9. Januar 2010 | Kurbad
  


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2009

Harper's Magazine: Yearly Review

Sea levels continued to rise, and a 40-yard-wide asteroid just missed the earth. The Mediterranean Sea was plagued by blobs. Pope Benedict XVI visited Africa; in Angola he warned against witchcraft, corruption, and condoms. Papal archaeologists in Rome authenticated the bones of Saint Paul the Apostle, and Jesus Christ was dismissed from jury duty in Alabama. Toxic-mining wastes in Idaho were killing tundra swans; a man in Munich received a two-year suspended sentence for beating another man with a swan. Highly aggressive supersquirrels were menacing gray squirrels in England, where the Law Lords were replaced with a new Supreme Court whose justices wear no wigs, and where cosmetic nipple surgery was increasingly popular. A London taxi driver tied one end of a rope around a post and the other around his neck and drove away, launching his head from the car. Anglican hymns were sung at Darwin’s tomb. Two Yellowstone National Park workers were fired for peeing into Old Faithful. Sarah Palin published a book, and Sylvia Plath’s son hanged himself in Alaska.


Link | 8. Januar 2010 | Empfehlungen
  


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Eiswürfel aus Vittel in ein Glas mit Aquafina. Eine sehr gute Idee von Artemy Lebedev. Das Distinktionsbedürfnis muss weiter, weiter gehen. [In diesem Zusammenhang: sehr gelacht neulich über die Beschreibung des seltsamen Herrn Pietsch in Robert Menasses neuem Buch "Ich kann jeder sagen": Pietsch sei jemand gewesen, der es geschafft hätte, jeden noch so kleinen Wiener Trotzkistenverein zu spalten, bis nur noch einer übrig geblieben sei. Und den hätte er dann schizophren gemacht.)



Link | 7. Januar 2010 | Sensorium
  


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I am trying to draw every person in New York. I will be drawing people everyday and posting as frequently as I can. It is possible that I will draw you without you knowing it. I draw in Subway stations and museums and restaurants and on street corners. I try not to be in the way when I am drawing or be too noticeable. Whenever I have a new batch of drawings I will post them on this blog.
Every Person in New York



Link | 7. Januar 2010 | Kurbad
  


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APP
"Must we b sbjct to yt another abrv? Why does the English language have to fit on a two-inch screen? I hate the sound of it. I think I'll listen to a symph on the rad." -- Edward R. Bolt, Grand Rapids, Mich.
Lake Superior State University 2010 List of Banished Words



Link | 7. Januar 2010 | Empfehlungen
  


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Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis. Emanzipatorische Inhalte zum Hören.



Link | 7. Januar 2010 | Empfehlungen
  


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My Parents Were Awesome angesehen, ein Tumblr-Weblog, an das Menschen Fotos ihrer Eltern schicken, als die noch keine Eltern waren. Sofort erleichtert gewesen, dass es das Internet 1960 noch nicht gegeben hat.



Link | 7. Januar 2010 | Geister
  


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KURIER: Frau Minister, was sagen Sie zum Vorgehen jenes Trafikanten, der in Wien einen Mann erschossen hat?

Maria Fekter [die österreichische Innenministerin]: Jeder Schusswaffengebrauch muss untersucht werden, die Sache zu bewerten obliegt den Gerichten. Aber wir sind kein Selbstbedienungsladen. Deshalb gibt es in der Bevölkerung kein Verständnis für Räuber.

[Quelle: Kurier]



Link | 6. Januar 2010 | Infamien
  


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