VAGUE.



Wie hoffnungslos eine Welt sein muss, die so viele Hoffnungen auf ein Apple Tablet zu setzen bereit ist.




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[Jetzt erst, fünf Monate später, fällt mir auf, dass nur Beichte eine Türklinke hat, Aussprache aber nicht; damals kurz das Bedürfnis, einzutreten und alles zuzugeben, auf eine Weise, die dem Priester hochmütig hätte vorkommen müssen, wären Priester nicht mittlerweile auch nur Menschen, die einem alles nachsehen und alles irgendwie verstehen können, "hab den Roman nie geschrieben", "hab mich nie getraut, nach Paris auszuwandern", "hab nicht genügend nachgedacht über das unglückliche Bewusstsein", "hab beim Tanzen nie verstanden, wo die Arme hinsollen", "hab meine Talente verraten, wieder und wieder", "hab mich nicht genügend gekümmert", all so was, die wirklichen Sünden, von denen die Priester selten etwas erfahren, schon gar nicht mehr im 21. Jahrhundert; aber dann doch nicht gemacht; es wäre ohnehin keiner da gewesen, auch die Beichtstühle haben ihre Öffnungszeiten, sicher, man hätte jemanden herausläuten können, aber das tut keiner; die Vorstellung jetzt: dass da jemand sitzen könnte, Tag und Nacht und Tag, in Erwartung des einen, der vielleicht doch kommen könnte, die Beichte abzulegen, jetzt gleich]




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My Parents Were Awesome angesehen, ein Tumblr-Weblog, an das Menschen Fotos ihrer Eltern schicken, als die noch keine Eltern waren. Sofort erleichtert gewesen, dass es das Internet 1960 noch nicht gegeben hat.




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Die Nuller.




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aus der geschichte der buchbinderkunst

Selbst in Buchbinderkreisen spricht man dieses Thema besser nicht an. Mitte der 1990er Jahre wollte der Sohn eines Gelsenkirchener Buchbinders einen Autor verklagen, weil dieser in einer ortsgeschichtlichen Darstellung behauptet hatte, dass dessen Vater in der NS-Zeit «echtes Niggerleder» verarbeitet habe. Der Streit kreiste darum, ob es sich dabei um Menschenhaut oder um in Afrika gegerbtes, recht haltbares, naturelles Ziegenleder mit natürlichen Narben (sogenanntes Nigerleder) handelte, wie es noch heute in der lederverarbeitenden Industrie verwendet wird.
NZZ > Robert Jütte: Was Bibliotheken lieber verschweigen. Es gibt Bucheinbände aus Menschenhaut

[siehe auch: the late age of print > anthropodermic bibliopegy]




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brinkmann

Der Essay ›Wie ich lebe und warum‹ besteht aus einer Serie von Fotos, die Brinkmanns nähere Lebensumgebung, das vermeintlich Private, Ende der sechziger Jahre in Köln, wie seine Wohnung, zeigen. Banal, schmuddelig, trostlos. Die Bilder zeigen einen Alltag, dessen Sinn, ›warum‹, den Lesern zum Geschenk gemacht wird: Da könnten sie selbst darauf kommen. Es geht nicht um die Verwandlung relativ trostlosen privaten Lebens eines Autors in Kunst; als ›Fotostrecke‹, Foto-Essay, verschiebt der Text die philosophisch-existentialistische Frage des Titels auf die Ebene eigensinnig künstlerischer Produktion. Das ist das ›Anfangen‹, der schreibende Anfang von Brinkmann, den er in den Tonbandaufzeichnungen “Die Wörter sind böse” als etwas Schönes bezeichnet.«
Quelle: Schröder & Kalender (taz), 5.3.2009 > Wie ich lebe und warum




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