VAGUE.



Lesen, Schreiben [1]

1 Walt Whitmans Leaves of Grass mit Stanza auf das Iphone geholt. Man kann es lesen. Aber nicht sehr lange. Dann nervt es. Nicht die Leaves of Grass, auch nicht das Iphone. Aber die Deppen, die einen glauben lassen wollen, man könne E-Bücher ja auch mal auf einem Mobiltelefonschirm lesen. Vielleicht haben sie an Pixie-Bücher gedacht. Oder an die executive summary von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ein Mann kann nicht einschlafen. Na siehste, geht doch.

2 Walt Whitmans Grasblätter gelesen, die von Jürgen Brȏcan besorgte erste vollständige deutsche Übersetzung der deathbed edition. Der Hanser Verlag hat sie herausgebracht, 861 Seiten Dünndruckpapier, das Inhaltsverzeichnis nicht mitgerechnet. Mit Lesebändchen, Anmerkungen, Varianten, Nachweisen, Erläuterungen und Auskünften zur Übersetzung. Kann man gut lesen. Ist gut gesetzt. Was nicht mehr bedeutet als: Der Satz fällt einem nicht auf.

3 Im vergangenen Jahr immer wieder den Versuch unternommen, E-Bücher zu lesen. Auf dem Iphone, auf dem Laptop, auf einem E-Book-Lesegerät, das ich mir ausgeliehen habe. Na ja.

4 Ganz sicher wird man irgendwann einmal E-Texte typografisch besser behandeln als jetzt. Das glaube ich den E-Bücher-Leuten sogar. Vielleicht versuche ich es dann ja wieder. Jetzt habe ich keine Lust mehr, mir Geräte und Waren schöner zu reden, als sie sind, indem ich ihnen Potential konzediere. Das hat mich an den Digital-Hanseln immer schon genervt: Ständig behecheln sie einen mit ihren Überzeugungen, was in den Dingen stecken könnte, irgendwann einmal, irgendwann werden sie es schon schaffen, sobald sie alle unsere Bug Reports ausgewertet haben. Was soll eigentlich so schwer daran sein, Text gut zu setzen? Das haben die Hinterwäldler von der Papierfront schon vor 200 Jahren geschafft.

5 Für wen sollen E-Buch-Lesegeräte eigentlich gut sein? Am ehesten wohl für Leute wie mich. Die 200 Bücher im Jahr lesen oder noch mehr. Eine ziemlich kleine Minderheit, die meisten Leute lesen ja, wenn es hochkommt, zehn oder zwanzig Bücher im Jahr. Dafür braucht man sich kein Lesegerät anzuschaffen. Und falls doch, nur ein einziges Mal im Leben. Man bekäme alles drauf, was man sich so im Leben zusammenliest, und könnte sich zusammen mit seiner Kindle-Bibliothek voller Nick Hornbys begraben lassen. Aber kann es im Sinne der Hersteller sein, dass ein Normalkonsument mit einem einzigen ihrer Kästen ein Leben lang bestens bedient wäre und sich also nie wieder ein neues, verbessertes Teil kaufen muss? Wahrscheinlich werden sie Sollbruchstellen einbauen. Oder noch öfter erzählen, dass man auf einem E-Buch-Lesegerät ständig seine ganzen Bücher rumschleppen kann, bis die Leute an einem Badenachmittag vergessen, dass Kindles sich mit Sand nicht so dolle vertragen. Dann werden sie die Version 5 schon kaufen.

6 Das ist es, womit man Menschen wie mir, die viele Bücher lesen und so viele Bücher besitzen, dass sie jeden Umzug verfluchen, immer wieder mal die E-Reader andrehen will: Wir könnten, sagt man uns, ganze Bibliotheken in ihnen unterbringen und hinterher in die Jackentasche stecken. Na toll. Soll ich jetzt alle meine Bücher noch einmal kaufen? Oder einscannen und auf den E-Reader laden? Oder sie mir aus einer Filesharing-Site saugen? Vielleicht stehe ich einfach auf, gehe zum Bücherregal, ziehe das Buch raus und beginne in ihm zu lesen. Aber vielleicht raffe ich es mal wieder nicht.

7 Oder man könnte mit 20 Büchern in den Urlaub fahren. Oder ständig seine Handbibliothek dabei haben. Oder immer genau das zum Lesen finden, wonach einem gerade der Sinn steht. Ja, klar. Das sind exakt die Bedürfnisse, die Leute haben. Habt ihr toll erkannt.

8 Leseproben lesen. Erste Kapitel lesen. Reinblättern ins Buch. Die Pröbchenisierung des Lesens, ich pack Ihnen da noch was ein für ihre fettige Haut.

9 Das muss mir jetzt keiner in die Kommentare schreiben, das habe ich selbst schon hundertzwölftausend Mal gelesen: Es wird E-Bücher geben, in denen man dann Videos gucken kann. Oder der Autor einem die Hörbuchversion vorliest. Oder als Bonus ein Making-Of mitgeliefert wird. Und und und. Multimedialer Content, noch und nöcher. Echt super. Vielleicht solltet ihr gleich aus allem ein Playstation-Spiel machen. Oder etwas mit 3 D. Dann muss man auch die Brille dazukaufen.

10 Warum einem so viele (schreibende) Journalisten immer wieder erzählen, dass Multimedialität so klasse ist, habe ich nie verstanden. Und warum kommt eigentlich nie im Kino jemand auf die Idee, nach zwanzig Minuten ein paar Seiten Text auszuteilen, die man sich reinziehen muss, ehe der Film weitergeht? Oder im Berghain jemand auf den Einfall, den Flow mit ein paar Internetseiten anzureichern? Das wäre doch auch multimedial. Aber es fällt ihnen immer nur bei Text ein, dass man mit Multimedialität weiterkäme als ohne.

11 Außerdem nervt es, dass die Geräte, auf denen man E-Books lesen kann, immer diesen blöden Geräte-Rand haben. Ich mag doch kein Gerät ansehen müssen, wenn ich etwas lesen will.

12 Außerdem nervt es, dass die Texte immer hinter Glas liegen.

13 Außerdem nervt es, dass ich in E-Texten keine Anmerkungen machen kann. Oder unterstreichen. Jaja, es gibt Simulationen. Aber die taugen nichts. In fünfzehn Jahren werden sie sicher so weit sein. Dann gucke ich mir das noch einmal an, versprochen.

14 Lauter total verstockte Hinterwäldlereinwände, ich weiß das schon.

15 Am Verrücktesten, denke ich manchmal, sind die E-Buch-Freunde, die immer so supercheckermäßig lächeln, sobald jemand "Haptik" sagt. Wie peinlich, dass jemand eine Immaterialität anfassen will! Ich denke mir dann immer, sollen sie doch mit einem Turingtest vögeln.

16 Der Unterschied zwischen dem Iphone-Walt-Whitman und dem Hanser-Walt-Whitman: 39,90 Euro. Eigentlich verrückt, wieviel man heutzutage noch für 39,90 Euro bekommen kann. 861 Seiten Whitman, makellose Übersetzung, hervorragende Editionsarbeit, freundlicher Kommentar, gute Typographie, guter Druck, gute Buchbindearbeit, eine perfekte Benutzeroberfläche. Wie lange Brȏcan daran gesessen haben muss! Wie mutig das ist von Michael Krüger! Wie lange man etwas von diesen 39,90 Euro haben kann! Wie viel länger als von einem Kindle man etwas von diesen 39,90 hat! Das gibt man für einmal zu zweit schnell essen aus, in einem der billigeren Thailäden hier ums Eck. Und dennoch wird das Papierbuch verrecken. Weil es irgendwann verrecken muss. Weil die Papierbuchläden verrecken werden. Und die Papierbuchleser verrecken werden. Und die Kindles und Tablets nichts mehr kosten werden, wenn man sie zusammen mit einem Zweijahresabo SpiegelBildBrigitteohneModels kauft. Weil man sich aus dem Netz die alten Übersetzungen der Leaves of Grass ziehen kann, für lau, oder ein paar Lesepröbchen. Weil die Grasblätter nicht multimedial sind, obwohl in ihnen mehr passiert als auf ganz YouTube, aber so ein Multimedial-Anhänger will sich ja nichts vorstellen müssen, Interpassivität, wenn das eine Multimedialmaschine für ihn tun kann.

17 Neulich habe ich in einem Artikel der NZZ eine fürchterliche Diatribe gegen die Handschrift gelesen. Braucht keiner mehr, hieß es darin, ist bloß Qual, das zu erlernen, lästige Feinmotorikdressur. Und außerdem ist eine Handschrift nicht natürlich, so wie das Sehen und Hören. Superargument übrigens: Weil etwas nicht natürlich ist, kann man es auch lassen. Ich dachte sofort: du blöde Nuss. In Zukunft fressen die Spione Iphones, wenn sie bei der Gefangennahme Informationen verschwinden lassen wollen. Und die Schüler werfen bei der Klassenarbeit einander die Ipod-Touchs zum Spicken zu. Und in den Tatoo-Studios hält man den Steiß unter den Nadeldrucker. Und die Gefangenen setzen ihre Kassiber ins Internet ab. Und die Liebhaber klappen das Rückenkeyboard ihrer Geliebten auf, wenn sie ihr auf den Rücken schreiben wollen, wie verdammt heiß sie sie finden. Aber dann schrieb die Lady am Ende ihres Artikels, dass die wünschenswerte Abschaffung der Handschrift noch auf sich warten lassen werde, die sumerische Schrift hätte die Sumerer auch noch ziemlich lange überlebt. Puh, noch einmal davongekommen.

18 Natürlich geht es um den Preis bei dem ganzen E-Bücher-Gewese. Ein E-Buch muss nicht gedruckt, verschickt, in Lagern deponiert, durch die Gegend kutschiert werden. Das macht die Herstellung billiger. Für den Hersteller und für den Käufer. Nicht, dass der Hersteller beim E-Buch-Verkaufen seine Herstellungsersparnisse an den E-Buch-Käufer ungeschmälert weitergeben wird, ach nö, wirklich nicht. Ein bißchen Geld muss er für Amazon abdrücken. 50 Prozent des Ladenpreises, habe ich gelesen. Die Gerüchte sagen, dass es im Apple I-Buch-Laden, wenn das Tablet dann da ist, 30 Prozent des Ladenpreises sein werden, die der E-Buch-Verlag an Apple zu entrichten hat. Das muss man sich einmal vorstellen: 30 Prozent dafür, dass ein E-Buch-Laden ein paar MB Speicherplatz und einen Platz im Listing gibt und die Abrechnung übernimmt. Aber für den Leser ist es immer noch billiger. Außerdem wird er sich das Tablet ja holen, weil es ein Supergerät ist, und wenn man ein Supergerät hat, will man damit etwas anfangen können, deswegen wird er E-Books kaufen. Jede Menge. Fünfmal so viel wie vorher. Fünfzigmal so viel wie vorher. Und die hat er dann immer dabei. Was für ein irrer Distinktionsgewinn das ist!

19 "Some people will always want printed books, just as some people enjoy candles today. But we will eventually think of these as souvenirs."

20 Die Buchhändler werde ich vermissen. Ich vermisse sie ja jetzt schon.

21 Walt Whitmans Grasblätter gelesen, die von Jürgen Brȏcan besorgte erste vollständige deutsche Übersetzung der deathbed edition. Der Hanser Verlag hat sie herausgebracht, 861 Seiten Dünndruckpapier, das Inhaltsverzeichnis nicht mitgerechnet. Mit Lesebändchen, Anmerkungen, Varianten, Nachweisen, Erläuterungen und Auskünften zur Übersetzung. Kann man gut lesen.



Link | 13. Januar 2010 | 25 comments | Druck
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die bücher werden auch deswegen aussterben weil es bald nicht mehr politisch korrekt sein wird, sie zu kaufen. durch den kindle und die anderen e-book-reader können ganze regenwälder gerettet werden. wundert mich sowieso, dass die das noch nicht als werbebotschaft einsetzen. oder tun sie es etwa schon? bin nicht so up-to-date. verramscht werden brauchen die bücher dann auch nicht mehr. und verbrannt auch nicht. staubfang sind sie dann auch nicht mehr. eigentlich gibt es doch nur vorteile... ;-)

alex63, 13. Januar 2010 22:59:36 MEZ

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Ich bin bisher tatsächlich immer mit etwa 20-30 Büchern aus Italien zurückgekehrt (einmal sogar 50), von denen ich gleich wusste, dass ich davon nur einen Bruchteil lesen würde. Früher, als ich noch Wein im Handgepäck transportieren konnte, kamen dann noch 4,5 Liter Wein dazu.

Bücher sind doch auch Gegenstände, auch als solche mag ich sie (wie Bilder auch immer wieder Gegenstände sind und sein werden, auch gerade im naiven Wortsinn; niemand würde auf die Idee kommen, auf Wände mit Bildern zu verzichten; es ist dann doch auch in beiden Fällen, bei Bildern, bei Büchern, diese Dialektik zwischen ihrer Dinglichkeit und ihrem darüber Hinausfedern.)

goncourt, 13. Januar 2010 23:38:30 MEZ

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Eine kleine Anmerkung

... möge man mir bitte erlauben.
Anstelle von 'Was nicht mehr bedeutet als: Der Satz fällt einem nicht auf. ' müßte es nicht vielmehr lauten 'Was nicht weniger bedeutet als: Der Satz fällt einem nicht auf.'

kathleen, 14. Januar 2010 02:14:16 MEZ

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Zu Punkt 18

Mag sein, dass die Online-Läden zwischen 30 und 50 % "aufschlagen" (wo ist da übrigens die Frechheit, welcher Händler macht das nicht?). Die viel günstigeren Herstellungskosten sind eine große Chance für den "long tail", für jene Autoren aus der fünften und sechsten Reihe, die von den Verlagen allzu oft abgewiesen werden, weil ihren sperrigen Werken zwischen Kehlmann/Coelho/Ahern keine Absatzchancen eingeräumt werden. Man kann diesen Effekt im Musikbusiness erleben: Niemals zuvor hatten schräge junge Bands so gute Möglichkeiten, ihre Stücke der breiten Öffentlichkeit vorzustellen und ihre Anhänger zu finden. Man muss kein verrückter Technik-Nachhechler sein, um das gut zu finden.

Ich ziehe deshalb die bevorstehende Digitalisierung des Buchmarkts der derzeitigen "Thaliaisierung" vor. Und die Darreichungsform-Glaubenskriege um "Haptik" und Gerätebeschaffenheit habe ich bei der Musik schon allzu oft mitgemacht (Vinyl -> Kassette -> CD -> MP3). Es ist immer das Gleiche: Die Ablehnung ist zunächst riesengroß, nimmt dann rapide ab, und am Schluss machen doch alle mit. Mich haben sie spätestens, wenn das wasserdichte eBook kommt. Ein gedrucktes Buch mag noch so schön gesetzt sein, in die Badewanne darf es nicht fallen.

BernieCB1, 14. Januar 2010 09:54:41 MEZ

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Ebook-Reader würde ich mittlerweile schon fast in die Kategorie "Geschenke für Feinde" stecken. Die werden rasch wieder weg sein, wenn es brauchbare und multifunktionale Tablet-PCs gibt. Da braucht es noch etwas Konvergenz, nur die Belletristik-Leser alleine werden diese Geräte nicht zum Durchbruch bringen.

Ich denke, der Schub könnte aus einer anderen Richtung kommen: Alles, was heute als PDF am Computer herumliegt - Arbeitspapiere, wissenschaftliche Literatur, Geschäftsberichte etc ist auf einem großen e-Ink-Display angenehmer zu lesen und haptischer als am Computerbildschirm. Hoch- statt Querformat steht solchen Texten auch besser. Scheint mir besser für Lehr- und Sachbücher geeignet als für Belletristik.

stefanp, 14. Januar 2010 10:57:42 MEZ

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D'accord. In allem. PDF-Reader, Lesegeräte für Magazine, Zeitungen, Lehrmaterial: leuchtet mir ein, hat alles Sinn, denke ich.

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Leaves of Grass, nicht Grass Leaves.
(Das sei, so Hagenbuch neulich, ja wieder typisch für die deutsche Blogszene: So nebensächlich könne kein Verschreiber, kein Vertipper oder Irrtum sein, dass nicht irgendein besserwisserischer Kommentator meine, so Hagebuch, ihn zeigefingerschwingen korrigieren zu müssen.)

kaltmamsell, 14. Januar 2010 11:00:24 MEZ

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oh, mann. das ist mir jetzt peinlich. korrigiert.

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und bei zeigefingerschwingend fehlt doch tatsächlich das "d"...

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Heute bin ich auf diese Seite und diesen Artikel über BlidBlog aufmerksam geworden und könnte mir fast vorstellen hier häufiger zu lesen.

Zu den Ebook-Readern allgemein:
Das ist das Selbe wie mit den digitalen Bilderrahmen. Aber scheinbar haben die Konzerne viel zu viel Macht über die Wünsche ihrer Kunden... :(
Ich empfehle zum Thema: »Jan Delay - Plastik«

Zu dem Regenwald-Kommentar:
Die verbrauchten Recourcen für die Herstellung der Ebook-Reader plus die aufgewendete Energie plus die Energie für den Betrieb plus für die Server die die Ebooks zur Verfügung stellen plus der Menge an Kunststoff und Elektronik eines irgendwann mal ausgemusterten Ebook-Readers wiegen das locker wieder auf.

Zu dieser Seite:
Es wäre schön, wenn man Kommentare auch ohne Benutzernamen schreiben könnte...

gruß!

saunabiber, 14. Januar 2010 11:39:42 MEZ

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Bei Antville kann man nur kommentieren, wenn man sich einen Benutzer-Account zugelegt hat – es sei denn, als Saunabiber, wie Sie es gemacht haben; das ist die einzige Möglichkeit, hier anonym zu kommentieren. Ich kann aber, nach weiß gar nicht wie vielen Antville-Jahren, versichern: Mit den Daten Ihres Benutzern wird hier sehr sorgsam umgegangen.

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die Energie für den Betrieb
ist minimal, da sie bei elektronischem papier nur bei einem seitenwechsel benötigt wird. die akkulaufzeit beträgt bei ausgeschalteter drahtlosschnittstelle beim kindle übrigens 8000 seitenwechsel, das reicht für ein weilchen. die kontraste der buchstaben auf elektronischem papier verbrauchen keine energie. das ist ja der charme an der sache. auch die energie und die ressourcen für die herstellung sollten vernachlässigenswert sein, wenn dann mal ein standard gefunden ist und man sich so ein gerät theoretisch nur einmal im leben kaufen muss. oder vielleicht alle 10 jahre.

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Volle Zustimmung

E-Book-Reader, Multimedia...alles wird vorgekaut, es ist der Tod der Kreativität, nicht deren Anfang, wie viele glauben.

Wenn ich ein Buch lese, läuft in meinem Kopf nach spätestens 3 Sätzen Kopfkino ab. Ich nehme die Buchstaben nicht mehr wahr, statt dessen "lese" ich einen Film, ich nehme Betonungen wahr, lese mich im wahrsten Sinne des Wortes hinein.

Mein einziger Versuch mit einem E-Book war eine kalte Katastrophe. Es kam kein Gefühl auf, ich war nicht in der Lage, das Kopfkino aufzurufen, die Figuren wurden nicht lebendig. Sie blieben so tot und leblos wie der Reader.

Wenn ich ein Buch lese, verabschiede ich mich aus der Realität und besuche einen Autor auf seiner Insel der Kreativität.

Multimediainhalte verwehren mir den Zugang zu dieser Insel. Sie geben mir Inhalte vor, wie jemand sie sieht, ich bin auf die Kreativität der Umsetzung anderer angewiesen.

Der Kindle kommt mir nicht ins Haus. Und das sage ich durchaus als IT-Mensch, der mit Computern und deren Anwendung groß geworden ist und in der IT-Branche arbeitet. Meine Kreativität und meine Liebe zum gedruckten Buch, die Freundschaft, die nicht verraten wird (z.B. durch einen Fehler des Verkäufers, der mal eben dann die Bücher auch per Fernwartung auf meinem Kindle löschen kann) sie ist mir wichtiger als eine digitale Hysterie.

Die Gutenberg-Bibel, sie ist nach vielen Hundert Jahren noch lesbar.

E-Books werden wie lange lesbar sein?

Tante Jay, 14. Januar 2010 13:40:13 MEZ

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zu 17)

Ich kenne einige Leute (mich eingeschlossen) die ihre Uniklausur in biblischem Hebräisch gemeistert haben, weil sie sich den iPod zum Spicken zugesteckt haben (Killer-App: BiblePod).

Die Kids in der Schule sind da sicher weiter und spicken per drahtlosem Sync oder dergleichen.

Für 17) gilt daher 14), wenn Sie mich fragen.

Ansonsten: Danke.

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Für 17 gilt aber auch: Liebesbriefe per E-Mail bringen es nicht.

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Hm. Mich würde doch mal interessieren, wer das Vorbild für Ihren imaginären Antagonisten ist? Der vermeintliche Geist der Geschichte? Mir ist bisher noch nirgendwo, auch und gerade in der Technologiepresse, jemanden begegnet, der e-Books wirklich ernst nehmen würde.

der, 15. Januar 2010 10:50:02 MEZ

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ach, wie schön, Sie leben noch. (gilt für euch alle, übrigens.)

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Die Welt in unseren Händen

Es geht nichts über das Gefühl kleiner Welten in den eigenen Händen. Wie TanteJay so trefflich ausdrückte. "People will read again", sagt ein Betrunkener in einem Film, der mir sehr viel bedeutet. Niemals wird das gedruckte Buch völlig untergehen. Dafür sorgt die Fangemeinde schon.

Und das sage ich als jemand, der - mit gemischten Gefühlen - seinen Roman online als pdf anbietet, weil er bei den Verlagen durchgefallen ist.

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wozu gibts eigentlich e-reader nochmal?

Als jemand, der ganze Bibliotheken als Jugendlicher "ausgelesen" hat, muss ich einigen Vorkommentatoren zustimmen: zwischen "ein Buch in die Hand nehmen und aufschlagen" und das doppelklicken einer Textdatei ist schon ein grosser Unterschied. Sei es der 08/15
fantasy-roman von einem Noname-Autor, ein Lovecraft oder schlicht ein Sachbuch, das sind ganz unterschiedliche Erfahrungswerte, wobei das Buch i.d.R. in der Gunst des Lesers höher stehen wird. Es sei denn , es stehen Mobilität oder Kosten im Vordergrund.
Ich habe bis jetzt nur nicht herausgefunden, wozu ein Kindle oder ein "E-reader" gut ist?
ich nehme ein mässiges Display, kopple einen schwachen Prozessor daran, beschränke künstlich einerseits seine ganze Funktionalität und verteuere andererseits bewusst das bißchen, was ihm erlaubt ist...und Leute kaufen mir das auch noch ab?
Na, das nenne ich eine tolle Geschäftsidee...

dabei finde ich pdf´s ganz gut als mobilen Ersatz oder als ergänzung zum Buch. Es darf auch dann günstiger sein, aber bei gleichem Preis muss es schon einen Mehrwert bieten.

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Danke für die schöne Polemik, die meine Haltung zu e-Books, Multimedia usw. sehr schön zusammenfasst. Bis auf weiteres macht die elektronische Form in meinen Augen allenfalls für Tagespresse und Nachschlagewerke Sinn.

@Buchbensch: Niemals wird das gedruckte Buch völlig untergehen. Dafür sorgt die Fangemeinde schon. - Ja, aber angesichts dessen, was über den Link in #20 so prägnant zu erfahren ist, was für welche? Bzw. wer wird noch von jenen "Büchern" erfahren, außerhalb kleiner, verschworener Netzzirkel, die elektronisch Äquivalente dessen austauschen, was in den Achtzigerjahren als kopierte "Zines" seinen Höhepunkt erlebte? Vor allem: Wer wird noch seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Lesenswertem bestreiten können, und wer kann und wird sich der Mühe überhaupt noch unterziehen? Es wird ja sicherlich nicht einfacher werden, sich ohne die erfolgreiche Verwertung seiner Arbeitskraft überhaupt zu ernähren.

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Manchmal...

... muss man sich einfach an der Hoffnung festkrallen. Und weitermachen. Wider aller düsterer Wolken.

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More of the same

Lieber Peter Praschl, damit werden Sie als Schirrmacher der Blogger in die Geschichte eingehen.

Einfach zu schreiben "Ich hab so verdammte Angst vor Morgen" hätte Ihnen und uns viel Zeit gespart.

Hab gerade mal gegoogelt, wie sie aussehen. Ich denke, ihre Prioritäten sollte sein, mal etwas für den BMI zu tun, anstatt hier ihre fragile Journalistenpsyche offenzulegen.

So, das macht EUR 10.00

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besser als Bildschirm-Lesen

Erst einmal habe ich mir diesen Beitrag per Instapaper gespeichert und dann auf den Kindle im ebook-Format geladen. Am Abend habe ich ihn dann langsam und mit Muße auf der Couch gelesen. Ein guter Text!
In der Diskussion wird bisher allerdings vollkommen ausgeblendet, dass ebooks keine Bücher ersetzen werden, sondern flüchtige Bildschirmtexte (und ich lese viel und leider oft auch oberflächlich am Monitor) neu aufbereiten. Kein Scrollen auf endlos langen, bunten Internetseiten, sondern das gemütlich abendliche (und auch viel konzentriertere) Lesen von "digitalisiertem Futter".
Wenn wir diese Funktion begreifen und die Metamorphose des Textes vom Bildschirm zum ePaper als Bereicherung erfahren, dann kann es sein, dass gerade die Beschränktheit des ebooks eine Rolle neben den bunten Tablets oder iPhones spielen kann. Wir sollten es dann nicht mit den Büchern, sondern mit unseren Monitoren vergleichen. Mehr dazu in meinem Blog unter breede.blogspot.com

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Ich will Ihnen mit Ihren Ausführungen nicht grundsätzlich widersprechen. Walt Whitman würde ich auch nicht auf dem ebook-Reader lesen. Trotzdem besitze ich so ein Gerät und benutze es gerne - nämlich für Bücher, die ich überhaupt nicht mehr in gedruckter Form erhalten kann.

Meine Liebe gilt - unter anderem - dem, was Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts an sogenannter Schundliteratur produziert wurde. Diese, sagen wir ruhig, Machwerke sind heute oft schwer aufzutreiben, und wenn, dann hält sich das haptische Erlebnis, die originale Version in Händen zu halten, in Grenzen: Papier- und Druckqualität sind lausig, das Ding riecht schlecht und zerbröselt einem unter den Händen (ich besitze durchaus einiges davon in gedruckter - und hoffnungslos überteuerter - Form).

Trotzdem lese ich den Kram einfach gern - und Enthusiasten haben sich die Mühe gemacht, bei gutenberg.org oder anderswo diese längst nicht mehr zugänglichen Bücher verfügbar zu machen. Augenblicklich lese ich zum Beispiel die Originalausgabe von Karl Mays "Waldröschen" auf meinem Sony ebook-Reader, die die Karl-May-Gesellschaft ins Netz gestellt hat. Das ist natürlich ein, wie es im englischen Sprachraum heißt, "guilty pleasure", das ich aber ebenso genieße wie die Schundromane von, sagen wir einmal, Sax Rohmer oder Guy Boothby. Ohne download im internet und ebook-Reader wär mir dieses Vergnügen versperrt.

Und hier sehe ich die eigentlichen Vorteile dieser Technologie: Auf Texte zugreifen zu können, bei denen es sich selbst für aufopferungsvolle Liebhaberverlage nicht mehr lohnt, eine schön gestaltete Druckausgabe zu gestalten. Die Technologie erlaubt es, kostengünstig historische Texte bereitzustellen, die sonst dem Vergessen oder der Gier monomanischer Sammler ausgeliefert wären. Und zumindest in meinen Augen wäre das ein Verlust.

AlterBolschewik, 20. Januar 2010 21:50:37 MEZ

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Den Regalsex hast Du, glaube ich, vergessen. Dieses Gefühl wieder ein Billy kaufen zu müssen, um die gedruckte Fotografen-, Kochbuch- oder Belletristisammlung in ihrem Wachstum liebevoll zu begutachten.

creezy, 21. Januar 2010 10:51:47 MEZ

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