valentino
Es war Samstagnachmittag, ich saß in der Wäscherei, weil die Waschmaschine kaputt gegangen war. Während ich auf die Wäsche wartete, fiel mir ein, dass man in den 80er Jahren Waschsalons nachgesagt hatte, man könne in ihnen Menschen kennen lernen, mit denen sich Geschichten beginnen ließen. Es waren aber nur Arme da, die schon mit ihren eigenen Geschichten nicht zurande kamen. Ein Paar schaffte es nicht, die Schleuder in Gang zu bringen, der Mann warf erfolglos immer weitere Münzen in den Automaten, der alle Maschinen im Raum steuerte und keine Rückgabefunktion besaß, die Frau zeterte ihm aus ein paar Metern Entfernung zu. Sie hatte einen so unproportional großen Hintern, dass mir der Gedanke kam, sie wäre falsch verschraubt worden, wahrscheinlich aber wirkte der Hintern nur deswegen so prall, weil er in einer dieser Jeans steckte, die für die Armen vorgesehen sind. Auf einem Ledersofa saß ein Mann und studierte die ganze Zeit über eine Schweizer Straßenkarte, die aus irgendeinem Grund zur Waschsalon-Lektüre gehörte, wie das Mitteilungsblatt einer Kirchengemeinde und ein Konsalik-Roman. An den Wänden über den Waschmaschinen waren Gebrauchsanweisungen und Befehle angeschlagen, dazwischen hingen Poster, zu mehr reicht es nicht für Menschen, die nicht einmal eine Waschmaschine besitzen. Auf einem Filmplakat umarmte ein nackter Schauspieler eine nackte Schauspielerin, noch eine Geschichte, die nicht losging.
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