VAGUE.



“Come on, Mr. Jacobs,” he said.

Diese beiden Geschichten über Sterbehospize in amerikanischen Gefängnissen:




Δ

8:31 Uhr: Nun bin ich wach.

9:06 Uhr: Nun bin ich völlig wach.
9:34 Uhr: Jetzt bin ich tatsächlich wach.

[Wikipedia > Clive Wearing
New Yorker > Oliver Sacks: The Abyss]




Δ

Sammler aus Linz

Sammler aus Linz, von Kubin empfohlen, 50 Jahre, riesig, turmartige Bewegungen, wenn er längere Zeit schweigt, beugt man den Kopf, da er ganz schweigt, während er sprechend nicht ganz spricht, sein Leben besteht aus Sammeln und Koitieren. Sammeln: Mit einer Sammlung von Briefmarken fieng er an, gieng dann zur Graphik über, sammelte dann alles, sah dann die Nutzlosigkeit dieser sich niemals abrundenden Sammlung ein und beschränkte sich auf Amulette, später auf Wallfahrtsmedaillen und Wallfahrtsblätter von Niederösterreich und Südbayern. Es sind dies M. und Bl. die separat für jede Wallfahrt neu aufgelegt werden, im Material und auch künstlerisch meist wertlos sind, oft aber gemütliche Darstellungen enthalten. Darüber fieng er nun auch fleißig zu publicieren an undzwar zum erstenmal über diesen Gegenstand, für dessen Systemisierung er erst die Gesichtspunkte feststellte. Natürlich empörten sich die bisherigen Sammler dieser Dinge, die es versäumt hatten zu publicieren, mußten sich dann aber doch zufrieden geben. Jetzt ist er anerkannter Sachverständiger für diese Wallfahrtsmedaillen, aus allen Gegenden kommen Bitten um Bestimmung und Begutachtung dieser Medaillen, seine Stimme gilt. Im übrigen sammelt er auch alles andere noch, sein Stolz ist ein Jungferngürtel (Scapulier?), der wie auch alle seine Amulette auf der Dresdner hygienischen Ausstellung ausgestellt gewesen ist. (Jetzt war er eben dort und hat alles zum Transport verpacken lassen) Dann ein schönes Ritterschwert vom Falkensteiner. Mit einer schlechten nur durch Sammeln erreichbaren Klarheit verhält er sich zur Kunst. Aus dem Kaffeehaus im Hotel Graf führt er uns in sein überheiztes Zimmer hinauf, setzt sich aufs Bett, wir auf 2 Sessel um ihn, so daß wir eine ruhige Versammlung bilden. Seine erste Frage "Sind sie Sammler?" "Nein nur arme Liebhaber." "Das macht nichts." Er zieht seine Brieftasche und bewirft uns förmlich mit Exlibris, eigenen und fremden, untermischt mit einem Prospekt seines nächsten Buches "Zauberei und Aberglaube im Steinreich". Er hat schon viel geschrieben, besonders über "Mutterschaft in der Kunst" den schwangeren Körper hält er für den schönsten, er ist ihm auch am angenehmsten zu vögeln. Auch über Amulette hat er geschrieben. Er war auch in Stellung in den Wiener Hofmuseen, hat Ausgrabungen in Braila an der Donaumündung geleitet, ein nach ihm benanntes Verfahren zum Binden ausgegrabener Vasen erfunden, ist 13faches Mitglied von gelehrten Gesellschaften und Museen, seine Sammlung ist dem Germanischen Museum in Nürnberg vermacht, oft sitzt er bis 1 oder 2 Uhr an seinem Schreibtisch in der Nacht und um h 8 früh wieder. Wir müssen etwas in das Stammbuch einer Freundin eintragen, das er auf die Reise mitgenommen hat, um es füllen zu lassen. Selbstproducierende kommen an den Anfang. Max trägt einen komplicierten Vers ein, den Hr. P. mit dem Sprichwort "auf Regen kommt Sonnenschein" zu übersetzen versucht. Vorher hat er es mit einer hölzernen Stimme vorgelesen. Ich schreibe:

Kleine Seele

springst im Tanze u. s. w.

er liest wieder laut, ich helfe, schließlich sagt er: "Ein persischer Rythmus? Wie heißt das nur? Ghasele? Nicht?" Da können wir nicht zustimmen und was er meint, auch nicht erraten. Endlich zitiert er ein Ritornell von Rückert. Ja also Ritornell hat er gemeint. Das ist es allerdings auch nicht. Gut, aber einen gewissen Wohlklang hat es. Beim Weggehn zerwirft er das Bett, damit es vollständig sich der Zimmerwärme angleiche, außerdem ordnet er weiteres Einheizen an. –

The Kafka Project > Diaries and Travel Diaries > Heft 4




Δ

"Machtlosigkeit ist doch das einzige Vergnügen, das ich noch habe", sagte sie noch, ehe sie ging, "hat mich gefreut."




Δ

Manchmal versuche ich mir den Menschen vorzustellen, der Seiten wie das Winterwunterland betexten muss & wie ihm wuscheliger Puzzlespaß und verführerische, sportliche und sinnliche Düfte für Sie einfällt & wie er nachts irgendwo sitzt mit seiner Sie & ihr etwas erzählt über den Unterschied zwischen Exklusionisten und Inklusionisten & die Partei der Inklusionisten ergreift, denn er hat etwas gegen Hochmut, und es gibt ihm Hoffnung & sie lässt ihn machen, weil er das braucht, das hat sie schon mitbekommen in den drei Monaten, dann gehen sie nach Hause in seine Wohnung nach Friedrichshain & schlafen miteinander & er ist ganz glücklich, kann es aber so gut nicht sagen & nachts, wenn er aus dem Schlaf hochfährt, schleicht er sich, so leise er kann, um sie nicht zu wecken (hat etwas von Romy Schneider, wie sie da schläft, Mondlicht auf ihrer hohen Stirn; vielleicht auch Yvonne Catterfeld, das allerdings…), in die Küche, klappt den Rechner auf & geht die Löschkandidaten durch & immer wieder versucht, einzugreifen & dann doch nicht, ach was, lass doch




Δ

i have never belonged anywhere

I wanted my Aufenthaltserlaubnis, the residency-work permit valid for three years. The only way the Aufenthaltserlaubnis could be secured, our counselor told us, was to heiraten, to marry. This word I knew. Halfway to the elevator bank, Thomas turned to me nervously and said, “So would you like to be my wife?” I did not say “Here?” as I thought I had wanted to. I said yes. By the time we reached the parking garage, we were engaged. No ring, but there was lunch and a champagne toast after. I felt grateful.
Guernica, April 2009 > Tara Bray Smith: La Poste Américaine. Eine Amerikanerin in Berlin: Why were there always old women pushing ahead of me at the bakery on Rethelstrasse?




Δ

sort of

NYT > Lives.

[... ein Mann, der seinen sterbenden Freund jede Nacht an den Tropf hängt und dann nicht einschlafen kann… eine Frau, deren Großvater sich in der Disco in einen Fremden verwandelt… ein Mann, der sich die Taschen mit dem Staub seiner Vorfahren vollstopft…]




Δ

doughnut vision

Almost everyone I interviewed found a polite way to mention her ease at attracting men, but potential boyfriends don’t tend to respond well to Usher’s. Sam Swiller, who is still close to her after their failed romance, gamely explained his hesitancy. “The unfortunate thing about her disease is you don’t know how quickly it’s gonna get bad. And while things were perfectly great then, I was always thinking about the future, and it didn’t give us enough time to develop the present. You ask yourself, ‘Am I going to be able to get what I need from this individual?’ I was idiotically overcome by a relationship where neither of us could make restaurant reservations by phone.”
Portrait der 29-jährigen New Yorkerin Rebecca Alexander, die an einer seltenen Krankheit namens Usher-Syndrom (nicht) leidet und dabei ist, ihr Hör- und ihr Sehvermögen zu verlieren. New York, erfährt man in diesem Stück auch, ist eine Stadt der Blinden: "The New York area is home to 6 percent of the country’s legally blind, creating a subculture of roughly 80,000. The young flock here for the opportunity to play on a level field, where everybody is dependent on public transportation, cabs, deliveries, and Internet ordering. “It’s very attractive that most of New York is on a grid system,” says Matthew Sapolin, the city’s disabilities commissioner, who as a young blind man came here to attend NYU. “If you can count, you can get around.”"

Quelle: New York Magazine, 1.2.2009 > Arianne Cohen: Going Deaf and Blind in a City of Noise and Lights




Δ