VAGUE.



pferd

gebrauchsanleitung, pferd, wäscherei, hamburg-bahrenfeld Manchmal bleiben Bilder übrig, man kann sich nicht mehr erinnern, wie sie sich gefunden haben, dann hängt man sie auf, wo sie nicht weiter stören, es wird sie schon jemand sehen, der mit ihnen etwas anzufangen weiß.

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kein spass

rtl2, nachtprogramm Nachts verstellt sich das Fernsehen nicht mehr, die Leute hacken SMS-Botschaften in ihre Mobiltelefone, Laufbänder mit wahren Empfindungen ziehen über die Bildschirme, davor sitzen die Absender und gucken nach, was sie geschrieben haben, läuft alles so weg.

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plaza

plaza hotel, weihnachtsbeleuchtung, hamburg-dammtor Früher, hat man mir erzählt, sind vom Plaza viele Selbstmörder gesprungen. Ich habe nicht nachgeprüft, ob das stimmt oder ob das Plaza nicht einfach nur den Wunsch hervorruft, sich zu töten. Wenn jemand in einer Nacht vor der Weihnacht diesem Wunsch nachgäbe, was man sich leicht vorstellen kann, sähe man eine schwarze Silhouette, zwischen zwei Lidschlägen vor einem Sternschnuppenschweif in die Tiefe rasend, einer ausgebrannten Sternschnuppe gleich.

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valentino

filmplakat, disclaimer, wäscherei, hamburg-bahrenfeld Es war Samstagnachmittag, ich saß in der Wäscherei, weil die Waschmaschine kaputt gegangen war. Während ich auf die Wäsche wartete, fiel mir ein, dass man in den 80er Jahren Waschsalons nachgesagt hatte, man könne in ihnen Menschen kennen lernen, mit denen sich Geschichten beginnen ließen. Es waren aber nur Arme da, die schon mit ihren eigenen Geschichten nicht zurande kamen. Ein Paar schaffte es nicht, die Schleuder in Gang zu bringen, der Mann warf erfolglos immer weitere Münzen in den Automaten, der alle Maschinen im Raum steuerte und keine Rückgabefunktion besaß, die Frau zeterte ihm aus ein paar Metern Entfernung zu. Sie hatte einen so unproportional großen Hintern, dass mir der Gedanke kam, sie wäre falsch verschraubt worden, wahrscheinlich aber wirkte der Hintern nur deswegen so prall, weil er in einer dieser Jeans steckte, die für die Armen vorgesehen sind. Auf einem Ledersofa saß ein Mann und studierte die ganze Zeit über eine Schweizer Straßenkarte, die aus irgendeinem Grund zur Waschsalon-Lektüre gehörte, wie das Mitteilungsblatt einer Kirchengemeinde und ein Konsalik-Roman. An den Wänden über den Waschmaschinen waren Gebrauchsanweisungen und Befehle angeschlagen, dazwischen hingen Poster, zu mehr reicht es nicht für Menschen, die nicht einmal eine Waschmaschine besitzen. Auf einem Filmplakat umarmte ein nackter Schauspieler eine nackte Schauspielerin, noch eine Geschichte, die nicht losging.

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neun live

neun live, nachtprogramm Nachts lag er vor dem Fernseher und sah nach, wie weit sie gingen. Er hatte es im Gefühl, dass irgendwann einmal, falls er nur lange genug durchhielte, die Kamera draufbleiben würde, wenn sie die Beine auseinanderklappten. Noch war es nicht so weit, aber sie legten es darauf an, auch wusste er, sie rechneten mit Leuten wie ihm, die den Augenblick nicht versäumen wollten. Gegen zwei waren sie fast so weit. Eine Frau lag im Gras, noch tropfnass am Schwimmbeckenrand oder auf einem weißen Sofa, klappte die Beine auseinander und streichelte sich einen Atemzug lang. Jetzt, dachte er und fuhr aus dem Liegen hoch, doch wenn er vor dem Bildschirm saß, das Gesicht nicht einmal zehn Zentimeter von der Frau entfernt, um zu kontrollieren, ob er es wirklich gesehen oder es sich nur eingebildet hatte, war die Kamera längst anderswo.

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die verdammten dieser erde

fanon, die verdammten dieser erde Ich las eines dieser Bücher wieder, von denen ich mir damals meine Gymnasiastenwut hochputschen ließ, es ging darin um die Massaker, die in den Kolonien veranstaltet wurden, und wie der Autor, ein revolutionärer Psychiater, war auch ich davon überzeugt gewesen, dass die herrschende Klasse ein Blutbad verdient hätte. Dabei hatte sie mir, sagte ich mir beim erneuten Lesen, auch damals nie etwas Schlimmeres angetan als manchmal Taschengeldentzug.

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die verdammten dieser erde

fanon, die verdammten dieser erde Immer häufiger kam es vor, dass ich kaum angefangene Bücher wieder weglegte, weil ich dachte, ich müsse mir jetzt meine Rückenschmerzen besser einteilen.

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