VAGUE.



Hier, das erspart Ihnen das Fremdschämen. OPEN LETTERS TO PEOPLE OR ENTITIES WHO ARE UNLIKELY TO RESPOND



Link | 7. Oktober 2009 | Rückhand
  


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A Whole Lotta Nothin'

Monday nothing, Tuesday nothing, Wednesday and Thursday nothing, Friday for a change, a little more nothing, Saturday once more nothing.

Sunday nothing, Monday nothing, Tuesday and Wednesday, nothing, Thursday for a change, a little more nothing, Friday once more nothing.

Montik gornisht, dinstik gornisht, mitvokh un donershtik gornisht, fraytik for a novehneh, gornisht gigeleh, Shabbos vider gornisht.

Lunes nada, martes nada, miercoles y jueves nada, viernes por cambio un poco mas nada, sabado otra vez nada. Na na nana, na na nana ...

Oh, Village Voice nothing, New Yorker nothing, sing out in folk ways nothing. Harry Smith and Allen Ginsberg, nothing nothing nothing.

Poetry nothing, music nothing, thinking and dancing nothing. The world’s great books, a great set of nothing. Haughty and foddy, nothing.

Fucking nothing, sucking nothing, flesh and sex nothing. Church and Times Square, all a lot of nothing. Nothing, nothing, nothing!

Stevenson nothing, Humphrey nothing, Averell Harriman nothing. John Stuart Mill nill-nill, Franklin Delano Nothing.

Carlos Marx nothing, Engels nothing, Bakunin Kropotkin — nyuthing! Leon Trotsky, lots of nothing. Stalin less than nothing!

Nothing, nothing, nothing, nothing, a whole lot of, a whole lot of nothing. Nothing, lots and lots of nothing, nothing, nothing, nothing.

Not a goddamn thing.

Nothing.

[Guilt & Pleasure > A Whole Lotta Nothin' über "Nothing" von den Fugs]

[Die letzte Ausgabe des grandiosen New Yorker Magazines Guilt & Pleasure war die sehr schöne Death Issue. Darin auch der sehr schöne Nachruf The Death of Personal Blogs: And then came the party crashers. ]



Link | 6. Oktober 2009 | Kurbad
  


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Der Hund

Als Ingroia sprach, dachte ich wieder an den Hund. Und an die anderen Männer der Antimafia-Spezialeinheit der Polizei, die den Saal mit Metalldetektoren untersucht hatten - zwischen den Stuhlreihen, unter der Bühne, hinter den Lautsprecherboxen. Auf der Suche nach Sprengstoff. Ich kann das immer noch nicht normal finden.
Reskisrepublik > Der Hund

Link | 3. Oktober 2009 | Infamien
  


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Link | 3. Oktober 2009 | Kurbad
  


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Between the tiny Dakotan hamlets of Meadow and Glad Valley lies the McFarthest Spot: 107 miles distant from the nearest McDonald’s, as the crow flies, and 145 miles by car!

Weather Sealed > Where The Buffalo Roamed, eine Landkarte mit jedem McDo in den U.S.A.



Link | 2. Oktober 2009 | Moderne Zeiten
  


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Disappearer.


I: Feelies



Bei Sasha Frere-Jones über ein Konzert der Feelies gelesen und sofort aufgeregt gewesen. Die Feelies gibt es wieder? Ja, manchmal, aber manchmal ist so viel besser als nie wieder. Die Feelies waren immer so viel besser im Verschwinden als im Bleiben. Damals, als Bill Million ausstieg, setzte er sich einfach in sein Auto und fuhr nach Florida hinunter, ohne den anderen in der Band seine Adresse zu hinterlassen. Einfach weg, um sich von Disney anstellen zu lassen, in der Sicherheitsabteilung, ein Monitor-Job. Ein seltsames Leben, vielleicht, für jemanden, der einmal Musik gemacht hat, die nicht nur ich dringend gebraucht habe (& wie seltsam es ist, Musik, immer noch brauchen zu können, so wie man einen doppelten Espresso oder zwei Stunden auf dem Fahrrad oder Sex brauchen kann, "das habe ich jetzt gebraucht": Satz, der einem seltsamerweise jedes Mal erst hinterher einfällt, Bedürfnis, das man erst registriert, wenn es schon erfüllt ist, nachträgliche Entdeckung eines Hungers, der erst im Augenblick des Gestilltseins als unterträglich erscheint). Die Enzyklopädie der verschwundenen Künstler, die man schreiben sollte. Erst vorletzte Woche Horstmanns Buch über Schriftsteller, die zu schreiben aufgehört haben, gekauft noch nicht gelesen; die Zwillingstürme der noch nicht gelesenen, aber euphorisch erbeuteten Bücher neben dem Bett und auf dem Küchentisch sind so hoch wie schon lange nicht mehr; wenn ich sie dann um ein paar Etagen abtrage, um Einstürze zu vermeiden, ist es, als sortierte ich Wünsche weg, die ich eben noch gehabt habe, doch nicht Shakespeare, doch nicht Balzac. Million und Mercer, die beiden Feelies-Männer, sehen das mit dem Verschwinden anders, kann man nachlesen, sie sagen, sie hätten eben bloß nicht gespielt. Mercers rätselhaftester Satz: Ich habe mit Bill fünf bis zehn Jahre nicht gesprochen. Sofort stellt man sich ein Leben vor, in dem sich solche Sätze sagen lassen, und man weiß, es wäre eher das eigene Leben als die Varianten, in denen Sätze von der Art "du hast schon auf zweimal nicht auf meine SMS reagiert" fallen.

Bei Crawdaddy James Greenes Geschichte How I (Accidentally) Found Bill Million gelesen. 1995, mit 16, habe er seinem Klassenkameraden Jon vom ziemlich verunglückten ersten und schon wieder letzten Konzert seiner Band in einem Pizzaladen erzählt, und Jon habe daraufhin erwähnt, dass sein Vater früher auch mal in einer Band gespielt hatte. Dass dieser Vater einer der Gründungsväter des Alternative Rock gewesen ist, habe er erst Jahre später in einem Buch entdeckt, das er zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, mit einem Foto von den Feelies, auf dem der Gitarrist, der sich Bill Million nannte, eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Jons Vater hatte. Also machte Greene sich auf, seinen alten High-School-Kameraden wieder zu finden, und schließlich ging man zu dritt, Greene, Jon und sein Vater, der auch mal bei einer Band gespielt hatte, zu einem Red Hot Chili Peppers-Konzert. Im Auto ein Quasi-Interview:

The guitarist spoke of being a Feelie as if it was on par with working at Walgreen’s or slinging hot dogs at Yankee Stadium. An interesting part of his life, yes, but the general Feelie experience did not define him. He certainly did not look wistful as he told old touring tales, nor did he linger on the sweetness of memories’ bliss [...] When it came to the band once dubbed the greatest thing to come out of Jersey since the light bulb, Million may have well been talking about his lawnmower.
Am Schluss seines Textes, nachdem er die merkwürdige Geschichte der Feelies rekapituliert hat (Auflösung nach der ersten Platte, fünf Jahre danach die zweite, Konzerte nur an nationalen Feiertagen, Bill Millions Verschwinden usw.), folgende Passage:
Occasionally, I’ll come across a brief passage on the internet praising the Feelies that alternately wonders where Bill Million is/when he’ll come back/why he left in the first place. None of the answers to those queries really matter, and no one knows that better than Bill himself. He’s not Bigfoot or a UFO. He’s just a normal guy, a Disney employee with a wife and three kids and a cat and a regular life. He used to be in a band, a damn good band, but one that will probably remain a nice little pop secret for years to come.
Das alles klingt nach Entschleunigung, doch die Feelies waren schnell, selbst wenn sie langsam spielten. Sie waren auf eine Weise nervös, die einem sofort einleuchtete, und wenn ich sie jetzt wiederhöre, kommt es mir manchmal vor, als würden Million und Mercer nicht einmal selbst nervös sein, sondern vielmehr eine Nervosität weitergeben und sie nur deren Medium sein. (So wie Adorno einmal gesagt hat, jede Beethoven-Sonate sei auf jedem Klavier, man müsse sie dann eben nur spielen/finden/komponieren; das Komponieren dann so etwas wie ein Finden, dem Klavier Zuhören, den Dingen Zuhören). (Auch das etwas, das ich endlich gerne verstehen würde & von dem ich ahne, dass ich es doch nie verstehen werde: Wie es kommt, dass es nervöse Musik/Filme/Literatur/Tänze gibt, die einen (vielleicht nicht einmal zwei, aber ich habe das oft auch in der Gesellschaft Fremder erlebt) sofort ruhig machen, eine Art fast kognitiver Einschnapp-Prozess, der Geist, der Körper brauchen ein paar Momente, dann merken sie: so, genau so, ist es richtig (was immer richtig heißt), und dann ist man ruhig, ruhige Rezeptivität einer als richtig empfundenen und deswegen nicht unruhig machenden Nervosität. [Es gibt eine tanzbare Musik, zu der man nicht tanzen muss.]) Vielleicht deswegen die langen Absencen in der Geschichte der Feelies; wenn man in so einer Band spielt, die solche Musik macht, muss man eben manchmal fünf bis zehn Jahre weg sein von dieser Musik, ohne Panik, ohne Sehnsucht, irgendwann wird sie schon wieder da sein, und in der Zeit dazwischen Disney-Angestellter sein, drei Kinder großziehen, so etwas in der Art, vielleicht ist das ja auch eine Art, wie man Musik schützen kann. (Vielleicht ist das alles auch nur meine eigene Künstlermetaphysik. Andererseits: Vom Standpunkt der Piratenpartei aus ist sowieso fast alles vermutlich nur entbehrliches Geschwurbel, zackig eben, Partei für männliche Erstwähler. Andererseits: Die Feelies sind eine Nerd-Band. Und obwohl ich keine Ahnung vom Coden habe, stelle ich mir das Coden, wenn es gut läuft und die Blockaden weg sind, manchmal so vor wie die drone strums der Feelies. Andererseits: Vielleicht ist das nur Coder-Metaphysik.)

There's a kid I know but not too well 
He doesn't have a lot to say
 Well this boy lives right next door and he 
Never has nothin' to say 

It doesn't seem like he does anything
 He never helps out in the yard 
He lets his mother carry in groceries 
Cause he doesn't plan to work too hard 

The boy next door is into better things 
As far as I can see 
The boy next door is into bigger things 
The boy next door is me 

All right 

Well he's not like the boys we used to have 
Not like them at all - oh no 
Those ones made their parents proud
 This one beats 'em all 

The boy next door is into better things
 As far as I can see 
The boy next door is into bigger things 
The boy next door is me
 Yeah
(Die Feelies war 1987, als im Kino Jonathan Demmes Gefährliche Freundin lief, die Band, die auf der High School Reunion spielte – als Willies, sieben Jahre nach der ersten LP Crazy Rhythms. Sofort die Frage: Wer sind die denn?, und keine Ahnung mehr, wie man so etwas vor dem Internet herausfand, fanden wir aber. Ich kaufte Crazy Rhythms und The Good World in München bei WOM, nicht mehr ganz dickes Vinyl aus einem Laden, den es nicht mehr gibt (und den ich als immens unangenehm in Erinnerung habe), und dann hörten wir ständig die Feelies, während H. schon schwanger war, und auch später in Hamburg, als S. schon auf der Welt war. Die LPs waren alle auf dem Boden nebeneinander aufgestellt, das Zimmer war groß genug dafür, um auf ein Regal verzichten zu können, und als S. zu gehen lernen begann, hielt sich immer an dieser Schallplattenreihe fest, um nicht auf ihren Pampers-Hintern zu fallen. Das ist zwar bloß eine väterliche 20-years-after-Sentimentalität: Aber kann man mit der Hilfe von mp3s den aufrechten Gang erlernen?)

(Die beiden ersten Alben der Feelies, Crazy Rhythms und The Good World, sind eben wiederveröffentlicht worden [Unter den Links gibt es auch Hörproben]. Sie kosten kaum was, das übliche bei iTunes, ich hätte auch 99 statt 9,99 bezahlt, nicht immer, aber manchmal eben doch, denke ich, ähnelt das Alles-für-lau-haben-wollen dem Gezicke gegen Mindestlöhne, aber das ist vermutlich eine andere Geschichte).

(Manchmal treten die Feelies jetzt wieder auf, mit Bill Million, wenn sie die Zeit haben. Am 11.September haben sie in der Don't Look Back-Konzertreihe Crazy Rhythms wiederaufgeführt. Glenn Mercer hat in einem Interview gesagt, dass es vielleicht auch ein neues Album geben wird. In fünf bis zehn Jahren, kann sein, nicht so wichtig.)


II: Bolano

In den letzten Monaten viel Roberto Bolano gelesen. Um 2666 zu kaufen, musste ich mich bei St.George's sogar mit dem Buchhändler streiten, weil er es nicht hergeben wollte. Buchläden, die sich von ihren Büchern nicht trennen wollen: etwas, das mir sofort einleuchtet. Sofort verloren gewesen. Es gibt eine Prosa, die in meinem Unbewussten sofort Anker auswirft, meinen Schlaf okkupiert, Träume aufscheucht. 2666 ist so. Jetzt schon zum dritten Mal im vierten Buch, dem Buch über die Morde, ein Kompilation von Polizeichroniken über Serienmorde an Frauen in der mexikanischen Provinz, festgerannt; geht nicht mehr weiter, kann ich nicht lesen, ohne in einer seltsamen Schockstarre zu landen. Jetzt die deutsche Übersetzung gekauft und auf den Bücherturm gepackt, vielleicht geht das (das Deutsche eignet sich ja auch besser als das Englische zur Protokollierung des Mordes). [In den Bolano-Monaten habe ich Bolano-Links gesammelt, vielleicht interessiert das ja jemanden: hier]


III: Darum

Claude Lanzmanns Tsahal.


IV: Jardin du Luxembourg

In einer Hitparade der Geräusche, die mich glücklich machen können, hielte die erste Stelle das Ploppen der Tennisbälle im Jardin du Luxembourg an einem Sonntagvormittag (während ich Orangina trank und in Roland Barthes' Journal de deuil las)


V: Philippe Garrel: Les amants reguliers.


VI: Was für ein glorioser Sommer das gewesen ist.


VII: Und was für ein missvergnügter Winter das werden wird.


VIII: Werner Herzogs Rogue Film School


IX: PARIS 48° 50N 2° 23E


X

Das Internet-Manifest: Ein Feuerwerk der Formulierungen, Emotion pur, ein zentraler Eckpfeiler der Glücksfälle, ein Dokument, um das man in der Zukunft nicht herumkommen wird.


XI: John Cook, Langsamer Sommer [pdf, 464kb]



Link | 28. September 2009 | Journal
  


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Link | 24. September 2009 | Kurbad
  


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blutflocki



Link | 23. September 2009 | Rückhand
  


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aus der geschichte der buchbinderkunst

Selbst in Buchbinderkreisen spricht man dieses Thema besser nicht an. Mitte der 1990er Jahre wollte der Sohn eines Gelsenkirchener Buchbinders einen Autor verklagen, weil dieser in einer ortsgeschichtlichen Darstellung behauptet hatte, dass dessen Vater in der NS-Zeit «echtes Niggerleder» verarbeitet habe. Der Streit kreiste darum, ob es sich dabei um Menschenhaut oder um in Afrika gegerbtes, recht haltbares, naturelles Ziegenleder mit natürlichen Narben (sogenanntes Nigerleder) handelte, wie es noch heute in der lederverarbeitenden Industrie verwendet wird.
NZZ > Robert Jütte: Was Bibliotheken lieber verschweigen. Es gibt Bucheinbände aus Menschenhaut

[siehe auch: the late age of print > anthropodermic bibliopegy]



Link | 14. September 2009 | Geister
  


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INTERVIEWER When did you know you wanted to write?

DIDION I wrote stories from the time I was a little girl, but I didn’t want to be a writer. I wanted to be an actress. I didn’t realize then that it’s the same impulse. It’s make-believe. It’s performance. The only difference being that a writer can do it all alone. I was struck a few years ago when a friend of ours—an actress—was having dinner here with us and a couple of other writers. It suddenly occurred to me that she was the only person in the room who couldn’t plan what she was going to do. She had to wait for someone to ask her, which is a strange way to live.

the paris review > joan didion: the art of fiction (interview 1978) [pdf]

[the paris review > interview archive]



Link | 14. September 2009 | Empfehlungen
  


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It rarely takes more than a page to recognize that you're in the presence of someone who can write, but it only takes a sentence to know you're dealing with someone who can't.

(By the way, here's a simple way to find out if you're a writer. If you disagree with that statement, you're not a writer. Because, you see, writers are also readers.)

village voice / runnin' scared > I Will Not Read Your Fucking Script



Link | 13. September 2009 | Rückhand
  


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na dann

"The water was poured 183 times -- there were 183 pours," the official explained, adding that "each pour was a matter of seconds."
Die Fox News stellen etwas richtig. Bitte beachten Sie auch die Kommentare. Was a matter of seconds ist, können Sie bei Christopher Hitchens ansehen. Falls Sie können.

Link | 29. April 2009 | Moderne Zeiten
  


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mies vanilla rohe [via dwell]



Link | 23. April 2009 | Fundbüro
  


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i ist kein gutes initial

Eine Zeitung/Zeitschrift ist mehr als nur ein Container für Inhalte, ein Speichermedium, das durch andere Speichermedien, Container ersetzt werden könnte. Eine Zeitung ist ein Ding. Eine Stadt. Eine Welt. Eine Organismus. Ein Modell. Es gibt andere Dinge, Städte, Welten, Organismen, Modelle - aber es sind andere. Eine Zeitung ist eine Produktionsweise, ein Produktionszusammenhang, ein bestimmter Zusammenhang, in dem alles anders zusammenhängt als zum Beispiel auf einer Website, einem Nachrichten-Aggregator, einem E-Reader, auf einem Iphone, auf einem Weblog oder im Nebeneinander von Weblogs. Eine Zeitung hat eine erste und eine letzte Seite und den Fluss dazwischen, man muss ihn nicht fließen, aber er fließt. Eine Zeitung hat einen Anfang, ein Ende, ist etwas Abgeschlossenes, die Montage, Konstruktion eines Zustands. Eine Zeitung wird von einem Zusammenhang, einer Organisation, einer Gruppe, einer Hierarchie und von Nichthierarchien innerhalb der Hierarchie gemacht, nicht wirklich von Einzelnen, die bloß ihr Einzelnes in denselben Container füllen, was sie zwar auch tun, aber auf eine bestimmte Weise, mit einem bestimmten Ergebnis, einem anderen Ergebnis als auf einer Website, einem News-Aggregator usw. In einer Zeitung gibt es Plätze, Hauptstraßen und Hinterhöfe, Fassaden, Ostflügel und Westtrakte, eine bestimmte Architektur, eine bestimmte Sortierung, andere Architekturen und Sortierungen als anderswo. Und es gibt andere Wege von A nach Z, mit anderen Zwischenaufenthalten. Es gibt ein Terrain, nicht viele Terrains. Es ist eine Stadt, nicht nur ihre Bewohner, ein Stadtbild, nicht nur die Inneneinrichtungen der Städter.

Es ist eine Fußballmannschaft, nicht Stürmer, Verteidiger, Torleute, sondern ihr Zusammenhang, die taktische Aufstellung, die Kenntnis von Laufwegen, manchmal auch blinde Kenntnis, das Eingespieltsein, Umschaltenkönnen, die Organisation des Chancen-Witternkönnens, Tempoanziehens, Temporausnehmens, es ist auch der Mannschaftsbus, das Trainingslager, der Zeugwart, die Scoutingabteilung, die B-Mannschaft, das Rotieren.

Es gibt die Leute, die nicht schreiben, aber gut recherchieren können; ihre Recherche wäre verloren, gäbe es nicht andere, die mit der Recherche etwas beginnen könnten. Es gibt die Schreiber, deren Nuggets man sich merkt, man weiß nicht, woher sie kommen, hat sie nie kommen sehen, aber einen Zusammenhang, der nur aus Nuggets bestünde, ist keiner mehr, taugt nichts, geht gar nicht. Es gibt den grammar buff, der die richtigen Konjunktive parat hat, du würdest falsche Konjunktive merken, an einer unangenehmen Berührtheit, irgendwo im Sensorium, man merkt das Falsche, ohne auf es zeigen zu können, aber man merkt es. Es gibt die Idiosynkratiker, man hat sie sich deswegen geholt, die jedes abgestorbene Wort aus den Texten derer amputieren, die noch nicht genügend Idiosynkrasien gesammelt haben, jedes Sinnlichkeit pur undsoweiter, sobald es die Idiosynkratiker nicht gibt, wird es sofort um einiges schlechter, auch wenn dasselbe drin steht, aber die Idiosynkratiker sind es oft, die selbst nicht schreiben können, gelähmt, blockiert von ihren eigenen Idiosynkrasien, jedes Wort eine Qual, doch an den Texten anderer geht es. Es gibt die Experten, die man sich auf Vorrat hält, den Mann, der zufällig alles über Waffensysteme, Hybridmotoren, den Gotha weiß, man braucht sie nicht oft, aber dann eben doch einmal, und er kann einem alles sagen, aufschreiben, dem Kollegen, der besser schreiben kann, den Faktenstand durchgeben. Es gibt den Grafiker, der dich anraunzt, dass ein Foto nicht geht, weil die Frau auf ihm so öde aussieht wie seine alte Tante, die er nie leiden konnte, der sich weigert, ein Layout mit Bildern zu machen, auf denen Frauen über Hügelkämme springen oder Männer von Krawatten erwürgt werden, es gibt den Art Director, der dich anruft, um dir zu sagen, dass ein I als Initial das Layout zerstört, es gibt den Schlussgrafiker, in dem ein Schmerz zuckt, wenn fünf Zeilen hintereinander mit einer Trennung enden, es gibt den Ressortleiter, der stillschweigend Absätze streicht und dennoch steht hinterher mehr drin, steht es besser, verständlicher, unterhaltsamer drin, es gibt die Fact- und Crosschecker, die über Worte stolpern, nachfragen, anrufen und herausfinden, dass ein Kino nicht 212, sondern 234 Plätze haben, es gibt die Chefs, die du schnell überzeugen musst, weil sie gleich wieder ein Meeting haben, entweder er frisst die Geschichte nach zehn Sekunden zwischen Tür und Angel oder du bekommst keinen Platz, es gibt den, der italienisch spricht und den anderen, der russisch kann und eines Tages kannst du das brauchen, es gibt den Kaffeeautomaten, die Mittagspause, den watercooler talk, bei dem Nebensächlichkeiten plötzlich zusammenschießen, zu Ideen, Geschichten, Dossiers, es gibt das müssen wir machen, müssen wir unbedingt machen, ohne dass es dann je gemacht wird, weil so viel anderes passiert, es gibt die Pingel und die Schwafler und die Pompösen und die Edelfedern und die Verbissenen und dann irgendwann den Augenblick, in irgendeinem Meeting, in dem dir aufgeht, wie viel Respekt du vor dem Pingel und dem Schwafler und dem Gotha-Kenner und dem Zylinderkopf-Freak haben kannst, und dass das Zusammenhänge sind, die du sonst selten hast. Seltsam, das alles. Siehst du dann auch am Produkt, der Zeitung/Zeitschrift, genauer: ahnst es, weil du ja nur selten, an endlosen Wochenenden oder endlosen Sommertagen, von vorne nach hinten liest, inklusive Horoskop und Wissenschaftsseiten und politisches Buch, aber jedes Mal, wenn du es tust, gehst du in die Knie vor dieser Idee (platonischen Idee der Zeitung, wie es vermutlich auch eine platonische Idee der Stadt gibt), damals zum Beispiel, als du in der New York Times den halbseitigen Artikel gelesen hast über die Schauspielerportraitfotos-samt-Autogramm, die in manchen New Yorker Restaurants hängen und wie sich diese Fotos verändert haben, seitdem es kaum noch Schwarzweiß gibt, wäre dir nie aufgefallen, aber dann eben doch, und wie irre das ist, dass so etwas in dem selben Ding steht wie Washington, Kursverluste, Red Sox; musst du nicht einmal lesen, aber ahnen können, dass es da wäre und du es lesen könntest und du es fändest, einfach nur durch Blättern, während du das auf einer Website nicht fändest, nicht ahntest, nicht ahnen könntest, auch wenn es da wäre.

Solche Zusammenhänge, immer wieder, in der Süddeutschen, Frankfurter, auch in vielem immer wieder, wo du selbst warst, immer wieder, diese Dinger, die du noch hortest, obwohl sie das Verfallsdatum längst überschritten haben (das Sean Penn-Cover wieder gesehen: und war richtig, genau richtig so, sagten wir gestern abends),

& irgendwie auch diese Ahnung, dass es (diese Art Zusammenhang, die Stadt, das Ding, der Fluß zwischen der ersten und der letzten Seite) genau das ist, was du vermissen könntest, gäbe es das nicht mehr, irgendwann, wie sie jetzt alle sagen, selbst die Leute, die noch in diesen Zusammenhängen arbeiten (atmen; leben), & dass es genau das ist, was die Leute, die sich über den Totholzclub lustig machen und vieles besser wissen (auch wenn sie ihm selbst angehören) immer wieder übersehen, als wäre das nur ein Container, bei dem es egal wäre, würde er durch andere Container ersetzt, & mich gefragt, auch, ob die Leute, die das übersehen, vielleicht diese Einzelleute sind, Einzelschreiber, Einzelkämpfer, atomisierte Individuen, die deswegen, weil sie atomisiert sind, die bestimmten Zusammenhänge nicht kennengelernt haben & deswegen nicht wissen, was eben auch verloren ginge, gäbe es den Totholzclub nicht mehr, ein bestimmter Reichtum, um den es schade wäre (so wie man Analogfotografie vermissen kann oder eine Typographie, die noch Wert auf Kerning legte usw., weil man weiß, dass sie etwas konnten, was wichtig, gut, richtig war), & dann taten sie mir leid, einigermaßen ratlos, der Totholzclub und die ihn nicht vermissen werden auch, weil sie nicht kennengelernt haben, was nicht mehr da ist, wenn der Totholzclub nicht mehr da sein wird.



Link | 22. April 2009 | Druck
  


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die fürsorglichkeit der folterer

Fluid requirement: 35 ml/kg/day. This may be increased depending on ambient temperature, body temperature, and level of activity. Medical officers must monitor fluid intake, and although detainees are allowed as much water as they want, monitoring of urine output may be nessecary in the unlikely event that the officers suspect that the detainee is becoming dehydrated.
American Civil Liberties Union > Bush Administration Torture Memos

Link | 22. April 2009 | Moderne Zeiten
  


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cctv

Das ist nicht wahr, aber es könnte; & warum man sofort denkt, dass es wahr sein könnte (& wie man sich gleich vorstellt, es gäbe auch Kameras, die Dubaianer zeigen, wie sie sich versammeln, um dem Leben in amerikanischen gated communities zu folgen)



Link | 16. April 2009 | Fundbüro
  


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